Presseaussendung - Karl-Heinz Florenz, Europaparlamentarier und RHI-CEO Thomas Fahnemann fordern gesamteuropäische Rohstoffpolitik   06.10.2009  

Karl-Heinz Florenz, Europaparlamentarier und RHI-CEO Thomas Fahnemann fordern gesamteuropäische Rohstoffpolitik:„Europa muss rasch reagieren!“

  • Rohstoffintensive europäische Unternehmen brauchen Sicherheit in Rohstoffversorgung
  • Rohstoffstrategie muss zu konkreten Maßnahmen führen
  • Liste mit kritischen Rohstoffen muss rasch in Maßnahmen umgesetzt werden
  • Handelsvereinbarungen mit rohstoffreichen Ländern müssen getroffen werden
  • Industriestandort Europa muss abgesichert werden


„Die Europäische Union braucht eine gemeinsame, langfristig ausgerichtete Rohstoffpolitik“, fordert Thomas Fahnemann, CEO des Feuerfest-Weltmarktführers RHI AG, heute im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Europaparlamentarier Karl-Heinz Florenz in Brüssel. „Das globale Wettrennen um die Sicherung von Rohstoffen hat bereits begonnen“, so Fahnemann. Karl-Heinz Florenz, Mitglied im einflussreichen Umweltausschuss des Europaparlaments, fügt hinzu: „Die Rohstoffstrategie der EU, die Ende letzten Jahres vorgestellt wurde, ist eine gute Grundlage. Auf sie muss rasch aufgebaut werden. Die Dringlichkeit muss uns dabei klar sein: Wenn es kein Öl mehr gibt, fahren in Europa keine Autos mehr – aber wenn es keine Metalle und Minerale gibt, können keine Autos mehr produziert werden." Fahnemann ergänzt: "Es gilt, nicht den Anschluss zu verlieren. Wir müssen den Industriestandort Europa langfristig absichern“.

Europas Rohstoffabhängigkeit

„In Europa sind viele Rohstoffe – verstärkt durch neue Technologien – längst rar geworden. Die europäische Industrie ist de facto von ausländischen Rohstoffquellen abhängig. Für die Unternehmen bedeutet dies oft, dass die Versorgung weniger an den Preis gekoppelt ist, sondern vielmehr eine Frage der Verfügbarkeit darstellt“, so Fahnemann. Zahlreiche, strategisch eingesetzte Rohstoff-Exportbeschränkungen sowie der Rohstoffhunger von Schwellenländern würden die Situation noch weiter drastisch verschärfen.

China und die USA haben bereits reagiert. Während China aggressiv als Käufer auftritt und Rohstofflager aufbaut, setzen die Vereinigten Staaten auf einen nationalen Rohstoffreport, der kritische Rohstoffe definiert und daraus Maßnahmen ableitet.

Politik und Wirtschaft gefordert

RHI-CEO Fahnemann will die Unternehmen nicht aus der Verantwortung nehmen, sondern aktiv mitarbeiten. „Als tief in Europa verwurzelter, rohstoffverarbeitender Konzern ist uns dieses Thema ein wichtiges Anliegen, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern in der Politik in Angriff nehmen wollen“, erklärt Fahnemann und skizziert in diesem Zusammenhang die Forderungen:

  1. Rasche und effiziente Erstellung einer Liste kritischer Rohstoffe sowie Ableitung entsprechender Maßnahmen
  2. Langfristige Handelsvereinbarungen mit rohstoffreichen Ländern
  3. Langfristige und strategische EU-Rohstoffpolitik mit klaren Kompetenzen auf Ebene der EU- und der Mitgliedstaaten
  4. Klares Bekenntnis zum Recycling von Rohstoffen, in Kombination mit einem behutsamen Umgang mit Ressourcen
  5. Rohstoffsicherheit als zentraler Punkt bei der Abwägung neuer Gesetzgebungen

Rohstoffstrategie als Fundament einer neuen europäischen Rohstoffpolitik

Florenz stellt klar: „Die drei Hauptziele der EU-Strategie, nämlich 1. Zugang zu Rohstoffen auf dem Weltmarkt zu gleichen Bedingungen für alle Marktteilnehmer, 2. Rahmenbedingungen, die eine dauerhafte Versorgung mit Rohstoffen aus europäischen Quellen begünstigen und 3. die Steigerung der Ressourceneffizienz und Förderung des Recycling in der EU, kann ich nur unterschreiben. Bisher ist die Strategie allerdings weit davon entfernt, diese Ziele auch nur annähernd zu erreichen. Hier gilt es, mit konkreten Maßnahmen aufzupolstern – und zwar rasch! Zahnlose Tiger nützen niemandem!"

„Jetzt ist die Zeit zu Handeln. Denn der Rohstoffbedarf wird in Zukunft sicher nicht kleiner“, so Fahnemann. „Europäische Unternehmen wie RHI brauchen eine EU-weite Rohstoffpolitik, um ihre Rohstoffversorgung langfristig abzusichern und damit den Produktionsstandort Europa zu erhalten“, ergänzt Fahnemann.

Abschließend stellen Fahnemann und Florenz klar: "Schon heute setzen europäische Unternehmen Maßstäbe für nachhaltige Produktion. Diesen Wettbewerbsvorteil dürfen wir nicht aufs Spiel setzen. Es gilt, eine europäische Rohstoffpolitik einzuführen!"

Klimaschutz und Ressourcenpolitik Hand in Hand

Florenz ist sich sicher, dass die Klimaschutzdebatte einen wertvollen Beitrag liefert: „Die Debatte um die Reduzierung von Treibhausgasemissionen ist wichtig und richtig. CO2 stellt für mich jedoch nur die Spitze des Eisbergs dar. Sozusagen unter der Wasseroberfläche verborgen liegt die Rohstoffproblematik."

Florenz, der auch die Klimaverhandlungen der UN seit Jahren begleitet, sieht 'Nachhaltigkeit' als die kommende Herausforderung. „In Sachen Nachhaltigkeit greifen Wirtschaft und Umwelt ineinander. So spart man für jede Tonne Schrott, die man bei der Stahlerzeugung nutzt, mindestens eine Tonne Kohle und 3,5 Tonnen CO2. Dies ist für alle Beteiligten ein Gewinn: Wir sparen teure Energie, können somit günstiger produzieren, verursachen weniger Emissionen und sind zudem weniger auf Rohstoffimporte angewiesen. Hier schlagen wir also drei Fliegen mit einer Klappe!"


Hintergrund zum Thema „Rohstoffsicherheit in Europa“ Pressegespräch am 06.10.2009

Wirtschaftsmotor gefährdet

Es gibt aktuell weltweit mehr als 450 Exportbeschränkungen für rund 400 Rohstoffe. Dies wird zunehmend zum Problem für die europäische Wirtschaft, denn ohne ausreichende Rohstoffversorgung ist der Industriestandort gefährdet. 26,6 Prozent der Bruttowertschöpfung der EU kommen aus der Industrie. Bezieht man die verbundenen Sektoren mit ein, so liegt diese sogar über 50 Prozent. Traditionelle Industrieländer wie Österreich könnte es noch härter treffen: Fast 60 Prozent der Wertschöpfung und 55 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse können der Industrie und produktionsnahen Dienstleistungen zugerechnet werden. Müssten diese aufgrund von Engpässen in rohstoffreiche Nationen abwandern, wären Wachstum und Wohlstand vieler EU-Mitgliedsstaaten in Gefahr.

China dominiert Rohstoffmärkte

Nummer eins am internationalen Rohstoffmarkt ist China, das bei Aluminium, Bauxit, Blei, Graphit, Magnesia, Mangan, Molybdän, Steinkohle, Wolfram, Zink und Zinn der weltweit größte Produzent ist. Bei fast allen übrigen Materialien ist China zumindest unter den Top 10 zu finden. Am Beispiel der „seltenen Erden“ zeigt sich, wie abhängig die Industrie inzwischen vom Rohstoffproduzenten China ist. Der Ausgangsstoff für viele Produkte der „grünen Industrie“ wird fast ausschließlich in der Volksrepublik gewonnen. Konstant wurde in den vergangenen drei Jahren das Exportvolumen gedrosselt. Eine weitere Verknappung könnte dazu führen, dass Produzenten gezwungen werden, sich in Ländern wie China anzusiedeln, um weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können.

Rohstoffversorgung als Schlüssel für den Industriestandort Europa 

Ohne eine langfristige Strategie sind in der EU Versorgungsengpässe zu befürchten. Findet beim Pro-Kopf-Verbrauch der Schwellenländer eine Angleichung an das Niveau der Industriestaaten statt, könnte sich alleine der Metallverbrauch versechsfachen.

Über RHI

RHI ist Weltmarkt- und Technologieführer bei hochwertigen keramischen Feuerfestprodukten und Serviceleistungen mit Unternehmenssitz in Wien/Österreich. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 7.800 MitarbeiterInnen an weltweit 32 Produktions- (darunter in 10 europäischen Ländern, darunter auch in Deutschland) und rund 70 Vertriebsstandorten und erzielte 2008 einen Umsatz von EUR 1,6 Mrd. Die RHI Aktie notiert als ATX-Wert im Prime Market der Wiener Börse.

Über Karl-Heinz Florenz

Karl-Heinz Florenz ist Landwirt und Kaufmann und vertritt die Region Niederrhein seit 1989 im Europäischen Parlament. Er ist Mitglied des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit und in der Delegation für die Beziehungen zu den USA

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